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...Marianne Schuppes Vermögen, Texte zu inszenieren, ist einzigartig. Gewichtung, Pausen, Sprech- und Singansatz, die Interaktion mit dem kleinen schwarzen Büchlein, aus dem die Textkerne entspringen, stellen die Mittel der Inszenierung dar, die durch Vibraphon und Cello eine passende klangliche Rahmung erhält.
Ein, wenn nicht der Höhepunkt des Festivals schliesslich der Auftritt des Schweizer Trios "selbdritt"; Die Vokalistin Marianne Schuppe, der Cellist Alfred Zimmerlin und die Vibraphonistin Sylwia Zytynska proben seit Jahren miteinander, haben auch schon eine Cd beim Schweizer Tonkünstlerverein herausgegeben, sind aber gerade erst ein halbes Dutzend mal live aufgetreten. Ja, fast scheint es, als sei ein Publikum für diese spezielle Art der Imrpovisation (ohne jegliche Vorgaben) gar nicht notwendig, so intim, wenn auch keineswegs abweisend klingt diese Musik. Schuppe spricht, singt et cetera aus einem Buch voller Notizen, die beiden Instrumente sprechen, singen....auf ihre Weise dazu, und der Klang von Vibraphon und Violoncello korrespondiert dabei auf erstaunliche Weise. Das Trio bewegte sich mit so traumwandlerischer Sicherheit durch die Zeit, dass es eine Freude war. Folgerichtig schloss ihre Darbietung auf dem Wörtchen "Glück".
Mit Ausnahme der Textarbeit, der sich Marianne Schuppe seit Längerem nicht nur in ihrem Improvisationstrio "selbdritt" widmet, blieb die Auseinandersetzung mit Literatur beim Festival eher enttäuschend bis unverständlich.
Nicht allzu häufig kommt es vor, dass ich mir nach dem Anhören einer CD die
Scheibe gleich noch einmal von vorn anhöre. Mit der neuesten Produktion von
Marianne Schuppe ist es mir jedoch so ergangen : nach ihrer
Auseinandersetzung mit den archaischen Klängen Giacinto Scelsis hat sich die
Sängerin dem gleichsam abstrakten Gebilde von Morton Feldman Three Voices
(1982) angenommen und damit neue Massstäbe gesetzt : Im Zusammenwirken von
Live-Vortrag und aufgezeichneten Stimmparts leuchtet Schuppe
die introvertierte Klangwelt der Komposition aus und erreicht bei der
Wiedergabe der unvorhersehbaren Texturänderungen Wirkungen, die unter die
Haut gehen. Da werden Augenblicke des minimalen Umschwungs zum grossen
Ereignis, etwa dort, wo sich aus den engen Clusterbewegungen des Beginns
erstmals die Stimme steil aufsteigend und im Legato in ein höheres Register
aufschwingt, aber auch in jenem Moment, wenn nach rund 20 Minuten erstmals
der Text "Who'd have thought that snow falls"
in die Klänge hineingewoben wird. Die Dichte und intonatorische Exaktheit,
aber auch die feinen Wandlungen im Timbre der Stimme und die musikalische
Präsenz, mit der Schuppe die zarten Gesten
von Feldmans Musik realisiert, sind einfach erstaunlich. Die Sängerin dringt
in die Musik ein, bringt Tonhöhenbewegungen und Clusterschichtungen förmlich
zum Strahlen, wahrt aber dennoch eine gewisse emotionale Distanz und schafft
so das Paradoxon eines sachlich wirkenden Klangbildes von grosser Intensität
und Schönheit, das den Hörer nicht kalt lässt.
Schuppe setzt ihre Fähigkeiten bei der feinen Modulation von
Stimmenklängen auch dort ein, wo es weniger um das Singen als um den Umgang
mit der Sprechstimme geht. Auf der CD selbdritt - von hier trägt sie
zusammen mit den Mitgliedern ihres Improvisationstrios selbdritt Sylwia
Zytynska (Vibraphon) und Alfred Zimmerlin (Violoncello) zur Schaffung von
Klängen bei, die sich an der Grenze von Musik und Hörstück bewegen.
Der von Schuppe meist sprechend vorgetragene Text, collagiert nach Zitaten aus ici
von Nathalie Sarraute, führt aufgrund des Umgangs mit den Sprachbruchstücken
zu einem ständigen Spiel mit Bedeutungen. Mit feinem instrumentalem Spürsinn
kommentieren die beiden Partner die Wortkaskaden oder Loops, die von der
Sängerin präzise und durchsichtig vorgetragen werden,
wobei die emotional
unterschiedlich eingefärbten Stimmsplitter dazu beitragen, die
instrumentalen Klänge zu konnotieren, diese aber umgekehrt auch auf den Text
zurückwirken und ihm bestimmte emotionale Richtungen verleihen. Die
klanglich sehr unterschiedlichen Komponenten aller drei Musiker werden dabei
zu einem erstaunlich kohärenten Ergebnis verschmolzen und fügen sich zu
einer narrativen Ganzheit, die sich als Suche nach den Möglichkeiten und
Koexistenzen von Wort- und Klangbedeutung erweist.
An hours worth of solo "song on this new disc unaccompanied, or joined
by mirror images on tape starts off unsettling but not for long. The
singer, Marianne Schuppe, has such remarkable control that you begin to hear
her vocal lines, and her incredible range, as a musical language all its
own, haunting, powerful and, in its own way, very beautiful.
Every once in a while a piece of music comes into your sphere of listening
and you wonder how in the world this stuff ever came into being and how you
ever missed it. This CD of microtonal voice compositions is possibly one the
most intense yet strangely static experiences that have come my way in a
long while....The music on this disc is sparse in its execution, being
primarily performed by a single voice with the addition of a second on tape
for four out of the 13 tracks. This austerity manages to intensify the
experience to the point of an almost spiritual level, but at the same time
is as ecstatic and pagan as any good orgy. As an insight into the scope of
microtonality, it is invaluable as some of the pieces are literally based on
one note. Some of the tracks gives one the idea that Diamanda Galas spent
some time listening to Scelsi and one of the most interesting things about
the CD is that some of these "songs are reinterpretations of instrumental
works. Sheer brilliance! (New Albion)
..mit der faszinierenden Sängerin Marianne Schuppe aus Basel. Es geht Schuppe offenbar um Studien zur Artikulation, höchst virtuose zumal. Das zeitigt Respekt.
Was Marianne Schuppe...in puncto stimmlicher und emotionaler Intensität leistet, ist phänomenal: Indem sie die Klänge und Laute wie einen Tonklumpen mit ihrer Stimme bearbeitet, rückt sie die skulpturhaften Qualitäten in den Vordergrund. In ihrer Interpretation von Sauh I-IV (1973) wird das Zusammenwirken von Stimme und ein- bis dreifachen elektronischen Stimmzuspielungen zu einem immer dichter und plastischer gearbeitetem Klangband, das dennoch aufgrund der nuancierten Farb-und Artikulationsgebungen im Inneren flexibel bleibt. Erstaunlich ist auch, was die Sängerin aus den Zyklen Taiagarù (1962) und Hô (1960) herauszuholen versteht, indem sie ganz bewusst die zerklüfteten Atembögen artikuliert und ihnen einen kraftvollen Anstrich verleiht, der auch viel dazu beitragen könnte, die mystifizierenden Klischees über Scelsis Komponieren auszuräumen.
... hat die wohl anerkannteste Interpretin (Scelsis) Vokalmusik, Marianne
Schuppe, ihre Einspielung unter das vieldeutige Motto "Die Kunst des Liedes
von Giacinto Scelsi" gestellt... Sie überträgt nicht den Instrumentalklang auf ihre Stimme, sondern überführt ihn in eine eigene, eigenen Gesetzen gehorchende Welt von Lautäusserungen, wobei die Klarheit, ja die Reinheit ihres bewegenden Soprans jede phonetische Geste veredelt. Das Rufen und Schreien, das schwere Atmen und figurative Schwanken in Taiagarù überschreitet nicht die von Schuppe, wohlweislich nicht von Scelsi gesteckten Grenzen. Auf diese Art gelingt der Sängerin eine Natürlichkeit, die sich völlig losgelöst von konstruierter, auskomponierter und damit in gewissem Masse auch starrer Musik bewegt.
...Das Ergebnis ist Musik, die gleichsam den Moment ihrer Entstehung wiedergibt....Marianne Schuppe hat bei Michiko Hioryama studiert, kann sich also auf Authentizität berufen, sofern dies bei der interpretatorischen Variantenvielfalt überhaupt möglich ist, die Scelsis Partituren anbieten. Dennoch zeugt ihre Einspielung von einer Interpretationshaltung einer "zweiten Generation" gewissermassen. Von einer Phase der Scelsi-Rezeption jedenfalls, die die Heiligsprechung des Meisters ebenso überwunden hat wie jede Neigung zu selbst-darstellerischem und sendungsbewusstem Entdeckerstolz.
Stupefacente l'invenzione melodica, da fare invidia a un free-jazzman con quelle frasi interrote o risolte in modo "non consequenziale". Schuppe si esibice persino in movenze danzanti da "swing asmatico". Mai visto e sentito uno Scelsi così !
Un chant aussi subtil qu'apaisé, magnifiquement rendu par la voix de Marianne Schuppe.
Die introspektive Seite der Musik von Giacinto Scelsi (1905-1988) ist eindeutig überschätzt. Nun präsentiert die in Basel lebende tiefe Sopranistin Marianne Schuppe eine CD mit
selten aufgeführten Solo-Gesängen in einer Interpretation, die mit der üblichen Scelsi-Kontemplation kaum etwas gemein hat. Schuppe pflegt Scelsis Vokalmusik in sehr willkommener Betonung ihres Sprachcharakters, ihrer enormen Körperlichkeit. Eine der lebendigsten Scelsi-Aufnahmen im Jubeljahr seines 100. Geburtstags.
The opening "Sauh I-IV" (from 1973, for voice with magnetic tape) features layers of Schuppe's voice, in impressive, polyphonic style - a great antidote for those of those of us living in fear of the "operatic wail".
Her technique and intelligence inform an innate ability that allows her to move from 'song' to 'sound' to 'speech' in a lyrical and fluid manner."
Zur wohl intensivsten Tonkünstlerfeststunde geriet Musik am Bau mit Marianne Schuppe und Peter Vittali: Schuppe entliess Feldmans "Three Voices" aus seinem Kammerkonzertsaaldasein, als sie das Werk von der Dachkante des Théâtre du Chrochetan aus ins Städtchen hinein sang, die Feldman-Intimität sich mit der freitagabendlichen Monthey-Musik paaren liess.(
".... in der Gare du Nord Feldmans geniales "Three Voices". M.S. sang ihren Part
in höchster Konzentration...langer Beifall für die ausgezeichnete Sängerin.
...eine Stimmung, die sich in der Interpretation des Klangforums unter der präzisen und fordernden Leitung von Roland Kluttig in Pranam I von G. Scelsi für Stimme, zwölf Instrumente und Tonband fortsetzte. Den schwierigen Gesangspart meisterte Marianne Schuppe in bewundernswerter Sicherheit.
Wirkliche Freiheit indessen vernahm man in der Improvisation von Marianne Schuppe (Stimme), Sylwia Zytynska (Perkussion) und Alfred Zimmerlin (Violoncello). Das eingespielte Trio schuf konzis umrissene Stimmungs- und Aktionsbilder, demonstrierte Spiellust und die Ueberraschungsgabe blitzschnellen Reagierens. Ihre Musik hatte Delikatesse, Charakter, Groove.
Marianne Schuppe verfügt über eine leuchtkräftige, wandlungsfähige Stimme, die risikofreudig schwierige Intervalle meisterte und den Raum mit vibrierenden vokalen Linien füllte. Obwohl die beiden vorgestellten Zyklen Hô und Taiagarù unbegleitet und einstimmig waren, erschien der Gesang im Ineinandergreifen der verschiedenen Register gleichsam mehrstimmig. Faszinierend, wie restlos die Stücke sich der Stimme anpassten und wie lückenlos die Sängerin sich Scelsis Musik anverwandelte.
Es gibt noch ungewöhnliche Positionierungen neben der Bühne, die unverbraucht wirken. Die beiden Frauen (Dorothea Schürch und Marianne Schuppe) setzten sich hoch oben über dem Publikum in die zwei entgegengesetzten Ecken auf die Galeriekante; dahinter liess eine Fensterscheibe das blaue helle Himmelslicht eines Septembertages einfallen, und die Zuschauer konnten Flugzeuge auf dem Weg nach Irgendwohin betrachten. So wie sich die beiden Frauen in ihre Umgebung einbetteten, so scheinen sie auch ein offenes Ohr für ihre direkte Umwelt zu haben. Ihre Wort- und Silbenspiele sind exakt auf die lautmalerische Seite untersucht und ausgehorcht. Zum ersten Mal in diesem Stimmenfestival nahm man auch zischende, sprudelnde, gurgelnde, schwabernde und vor allem nackte Stimmen wahr - eine Wohltat nach so viel gepflegtem Kunstgesang; faszinierend, wie sich die Vokalistinnen in den Texten einrichteten, ...
Hoch oben auf den Balkongeländern bei den Fenstern (man bekommt fast Angst, sie könnten abstürzen) sitzen zwei Frauen, singen, rezitieren; sie lallen, korrigieren dabei das Programmheft, skandieren, deklamieren. Und es ist eine Freude ihnen zuzuhören, weil sie mit Phantasie und Witz dahintergehen...
"...in Rümlingen, gerade wie bei den an der Reckstange kopfüberhängenden Frauen Marianne Schuppe und Dorothea Schürch, die in ihrem köstlichen Kabinettstück "Wellen" vordemonstrierten, dass man (oder frau) etwas Verkehrtes auch andersrum sagen kann.
Zwei Lautsprecher, dazwischen ein Notenpult : karges Instrumentarium für die
grandiose Schweizer Sopranistin Marianne Schuppe, die sich in Hamburg der
Tour de Force dieses schwierigen Stückes stellte.
...und diese vier Vokalisen trug Marianne Schuppe mit aller gebotenen Konzentration im neuen Auditorium vor. Sie setzte damit Masstäbe für eine ebenso anregende wie präzise Präsentation musikalischer Moderne.
Die Sopranstimme gleitet in sphärische Höhen, schwebt sirenengleich. Oder sie vollführt abenteuerliche Intervallsprünge, geht auch ins Geräuschhafte über. Sie beherrscht bewundernswert die Gesangstechniken der Neuen Musik und die Praktiken des Avantgarde-Jazz, der improvisierten Musik....Dieses Trio um die Basler Sängerin Marianne Schuppe gehörte sicher zu den Höhepunkten der"off lines two".....
...wie die sensationelle Stimme der Baslerin Marianne Schuppe. Mit flirrenden Vokalisen durchschreitet ihre Stimme ungeahnte Gefühlswelten. Ihr beachtliches Sopran, unterstrichen durch gewagte Intervallsprünge, geht fliessend in Geräuschhaftes über.
Bei Marianne Schuppe, "nur" die Stimme, als Instrument benutzt, elementare Kraft und intelligenter Einsatz, so prägt ihr Gesangsvolumen die Interpretationen in einer beeindruckenden Dichte.
Marianne Schuppe brilliert mit einem virtuosen Instrumentalgesang, der auf eine klassische Schulung, auf Techniken zeitgenössischer Musik weist. Mühelos springende, glissandierende Vokalisen, die bei aller "Sprödigkeit" sinnlich, hautnah bleiben.
"Die Stimme (Marianne Schuppe ist eine ebenso exellente Sprecherin wie Sängerin) wird hier zum Instrument aller Instrumente, gibt strahlend, seufzend, flüsternd, lallend, zischend, schnalzend, summend oder in abgerissenen Silben, frei strömend oder akustisch verändert durch Bewegungen mit der vorgehaltenen Hand alles wieder, was menschliche Empfindung umschreibt.
Da Marianne Schuppe vom ersten bis zum letzten Ton ihres Programms ohne
jegliche Begleitung singt, kommt ihr beachtliches stimmliches können voll
zur Geltung.Die dargebotenen Entwicklungen einzelner Töne, verbunden mit
Intervallen und der Artikulation verschiedener Vokale und Konsonanten,
entfalten sich in den besonderen akustsichen Gegebenheiten des Gewölbes zu
immer neuen Klängen voller Klarheit und Kraft.
Was Marianne Schuppe an Vokalkunst darbrachte, liess einen zugleich staunen, erschauern und entflammen".
Sie ist ein eigentliches Stimmwunder. Ihre Stimme geht wirklich durch den
Körper.